Slider

Neuro-Change: Wie Trägheitsmechanismen uns im Wege stehen und wie wir diesen ein Schnippchen schlagen!

Verhaltensweisen zu verändern fällt sehr schwer. Die Ursache dafür sind neuropsychologische Automatismen, die einerseits an dem IST-Zustand festhalten und andererseits Veränderungen verhindern.

Wenn man von Vorsätzen spricht meint man damit einen sehr komplexen Prozess: Man stellt sich eine Zukunft vor, die sich in bestimmten Aspekten von der Gegenwart unterscheidet, und leitet daraus ab, welche Handlungs- und Denkgewohnheiten man dauerhaft verändern muss, um die vorgestellte Zukunft Wirklichkeit werden zu lassen. Während Psychologen etliche Konzepte auf der Wirkungsebene entwickelt haben, untersuchen Neurobiologen hauptsächlich die Ursachenebene. Erst wenn man die neurobiologischen Funktionsmechanismen kennt, kann man auch erklären und verstehen, warum wir offenbar so schlecht darin sind, unsere Verhaltensmuster nachhaltig zu verändern, und auch, wie und warum bestimmte Anleitungen uns dabei helfen können, diese Trägheitsmechanismen erfolgreich zu überwinden. 

1. Die Beschränkung der Zukunft

Wir können nur die Vorsätze erfolgreich umsetzen, die wir uns konkret vorstellen können. Erinnerungen an Vergangenes und Vorstellungen über Zukünftiges werden von sehr ähnlichen neuronalen Netzwerken generiert. 

Daher hängt die Vorstellung unserer Zukunft, also auch die Vorstellbarkeit unserer Vorsätze, von unseren Erfahrungen in der Vergangenheit ab. 

Grundsätzlich funktioniert Gedächtnisbildung nur in Kooperation mit dem limbischen System, also mit emotionaler Vorstellungskraft; eine emotionsfreie Datenverarbeitung lässt unser Gehirn nicht zu. Daher dürfen unsere Vorsätze nicht abstrakt formuliert, sondern müssen im Geiste erlebbar und nachfühlbar ausgestaltet sein. Der Prozess des Umlernens erfordert deutlich umfangreichere Veränderungen der neuronalen Verknüpfungsmuster als der Prozess des Neulernens; beim Umlernen müssen sowohl neue synaptische Verbindungen aufgebaut, als auch bestehende teilweise wieder abgebaut werden. 

Stress wirkt sich negativ auf diese Prozesse aus, somit werden Lernprozesse gehemmt. 

2. Die Aufrechterhaltung des Optimismus

Ein erfolgreiches Umlernen hängt von der emotionalen Qualität der neuen Information ab. Positive Informationen werden vom Gehirn weiterverarbeitet, negative werden ignoriert. Ebenso verarbeitet unser Gehirn negative Zukunftsprognosen bei Weitem nicht so effizient wie positive. Unser Gehirn verweigert also eine objektive Bewertung, Begutachtung, Bearbeitung und Planung aktueller und zukünftiger Ereignisse: Alles ist gut, und so schlimm wird es schon nicht werden! 

Wenn es also darum geht, auf Grund einer bestimmten Information sein Verhalten ändern zu wollen, sollte der Vorsatz auf jeden Fall eine emotional positive Bewertung enthalten. 

Durch bewusstes Nachdenken wird der automatische Mechanismus, der uns zur Trägheit verleitet, ausgehebelt und manipulierbar.

3. Motivationspsychologische Methoden

Bestimmte Aspekte und Behauptungen der psychologischen Verhaltenstherapien lassen sich neurobiologisch untermauern, andere hingegen nicht. 

Richtig ist, dass fast allen Menschen Verhaltensänderungen schwerfallen. 

Neurobiologisch ist jedoch nicht bestätigt, dass Verhaltensänderungen durch geistige oder psychische Blockaden verhindert werden. 

Etliche Methoden arbeiten mit der Manipulation mentaler Vorstellungen, um Verhaltensweisen kontrolliert zu verändern. 

Die Wirksamkeit dieser Herangehensweise kann neurobiologisch bestätigt werden. Allerdings darf eine derartige Manipulation nicht in einem Selbstbetrug münden. 

4. Resümee

Die Strukturen unseres Gehirns samt den sich daraus ergebenden Funktionen sind zugeschnitten auf erfolgreiches Dazulernen und auf die Aufrechterhaltung des aktuellen Zustands. Sie scheinen jedoch nicht sonderlich gut dafür geeignet zu sein, bereits Erlerntes umzulernen. 

Benötigt wird hierfür: 

  • Ein konkretes Ziel! Stellen Sie sich dieses so genau wie möglich vor. 
  • Step by Step – small moves = big Change, auch die Zwischenziele und der Weg dahin sollten so konkret wie möglich sein.
  • Emotionen: Das Ziel sollte eine besonders hohe emotionale Wirkung bei uns auslösen können. Apropos Emotionen: Unser Gehirn besitzt sehr effektive, autonom arbeitende Filtermechanismen, die unangenehme Nachrichten ausblenden und unangenehme Zukunftsaussichten schlicht verweigern. Achten Sie darauf, wie Sie Ziele formulieren, und begründen Sie, warum Sie es erreichen wollen! 
  • Geduld und Disziplin! Und da Umlernen umfangreichere neuronale Umbaumaßnahmen erfordert als Neulernen, sollte man geduldig mit sich sein. 

Sie wünschen hierzu mehr Informationen, einen Impulsvortrag oder ein Seminar? Sie möchten wissen, wie Sie diese Informationen für sich in der Praxis nutzen können? Dann rufen Sie uns an!

Please publish modules in offcanvas position.